12.09. Triathlon WM AlmeređŸ„‡

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Lesezeit: 5 Minuten


😍 Ein Tag der WĂŒnsche, TrĂ€ume, Dankbarkeit und Belohnung 😍

Weltmeisterin

Der Tag, auf welchen ich schon so lange hinarbeitete um mir einen Wunsch zu erfĂŒllen: Mal wieder eine Triathlon-Langdistanz ĂŒber 3,8km schwimmen, 180km Radfahren und 42,2km Laufen absolvieren zu können und zu dĂŒrfen.

So geschehen am Sonntag bei der „Challenge Almere“, zeitgleich die ITU Weltmeisterschaft, die Teilnahme erfolgt durch offizielle Nominierung durch die Deutsche Triathlon Union.

In 10.03,25 Stunden lief ich als Erste und somit Weltmeisterin meiner Altersklasse und 6. Frau Gesamt (excl. Pros) ĂŒber die Ziellinie. Nach den vergangenen 2 Jahren die absolute Krönung und ich bin sprachlos🙄.

“If they think your dreams are crazy, show them, what crazy dreams can do”, sagte eins Shalane Flanagan, eine meiner großen (Lauf-)Vorbilder. Und diese Worte begleiteten mich gerade in den letzten Monaten, denn seit einigen Jahren ist es ein stiller und heimlicher Traum, in einem bedeutenden Rennen einen Weltmeistertitel zu holen. Das mir das ausgerechnet in der Königsdisziplin des Ausdauersports gelang, ist ein weiteres Exempel dafĂŒr, dass mein Kopf meinen Körper ein weiteres Mal fest im Griff hatte. Und fĂŒr letzteren bin ich sehr dankbar:

Ohne Gesundheit geht gar nichts!

Zu Anfang meines Berichtes ein kurzes persönliches Update, was aber wichtig ist, um das große Ganze zu verstehen:

☘ Rechtzeitig zum Rennen kam aus meiner jĂ€hrlichen Untersuchung im „Rechts der Isar“ die frohe Botschaft, dass sich meine Stoffwechsellage ĂŒber die letzten 6 Jahre sehr gut entwickelt hat und ich nun die in (erst) 2015 diagnostizierte „renal tubulĂ€re Azidose“ (Stoffwechselerkrankung) mit Dauermedikation im Griff habe (der ein oder andere kann sich daran erinnern). Ich bin sehr froh, in die HĂ€nde von Dr. Straub (Oberarzt der Urologie) gefallen zu sein! Zumal wir noch die gleiche Leidenschaft teilen (Sport). Die eingeschrĂ€nkte Nierenfunktion wird mir natĂŒrlich bleiben, da Nieren irreparabel sind, aber die Werte sind seit rund 25 Jahren stabil, mit minimaler Verschlechterung ☘ .

Mit großer Dankbarkeit zur 3. Langdistanz meiner Karriere mit einer offenen Rechnung 


Daher ist und bleibt ein Langdistanzrennen ĂŒber insgesamt 226 Kilometer fĂŒr mich etwas ganz Besonderes! Ich habe mich nun 18 Monate darauf vorbereitet und das oberste Ziel in Almere war das „Genießen“ und die Dankbarkeit, dass ich sowas machen kann. Der Weg ist das Ziel, das Rennen, dann “nur” das “TĂŒpfelchen auf dem i“: Solche Strapazen sind auch fĂŒr gesunde Menschen Gift fĂŒr den Körper. Als wir mit dem Training dafĂŒr anfingen, war ich mir nicht sicher, wann und ob ich wieder dafĂŒr bereit bin. Vergangenen Sonntag war ich es dann!

Es war in meiner 10-jĂ€hrigen Laufbahn erst das dritte Rennen ĂŒber die “Ironman”-Distanz: 2016 in ZĂŒrich wurde ich auf Anhieb 4. meiner Altersklassen (2 Minuten zum Podium), 2018 musste ich bei der Europameisterschaft in Madrid nach dem Radfahren aufgeben (im Nachgang wurde ein komplett leerer Eisenspeicher festgestellt), daher war beim „alle guten Dinge sind 3“ Anlauf irgendwo auch noch eine offene Rechnung zu begleichen 😈 .


 und etwas Pokern

Ich habe dieses Jahr aufgrund Corona etwas gepokert und wĂ€re auch fĂŒr den „Ironman Nizza“ gemeldet. Bei diesem Rennen kann man sich fĂŒr „Hawaii“ (Ironman WM) qualifizieren, was realistisch wĂ€re, mir ist aber dann nach langer Entscheidungsphase klar geworden, dass mir Hawaii nach wie vor nicht wichtig ist. FĂŒr ein einzelnes Rennen ist mir das alles zu teuer (min. EUR 5.000) und fĂŒr meinen Ego brauche ich es erst recht nicht. Wenn ich im Lotto gewinne, gerne, ansonsten ĂŒberlasse ich das anderen. Und dafĂŒr darf ich ja nĂ€chstes Jahr schon zur „70.3 WM“ nach Utah! 🙂

Ziele fĂŒr den Tag der Tage ⏰

Neben dem bereits wichtigsten Ziel hatte ich mir – natĂŒrlich – auch einen Zeitrahmen gesteckt und damit das Altersklassenpodium im Visier (bei einer Quote von 84% darf man das schon
), aber ein Langdistanzrennen hat vollkommen andere Gesetze, wenig ist planbar. Daher setzte ich mir einen realistischen Rahmen von 10.20 Stunden (1.20h + 5.30h + 3.30h) und wollte „nur“ ein gutes Rennen machen.

Ein Rennen vor dem Rennen und dann noch 10 Stunden rund um Almere

Allerdings hielt mich der Corona BĂŒrokratismus schon vor dem Rennen bis und wĂ€hrend des Check-Ins ziemlich auf Trab, dazu ein vermeintlich kaputter Autoreifen, was dazu fĂŒhrte, das ich mit mĂ€chtig viel Adrenalin an der Startlinie stand. Das musste alles raus…..

Startschuss fĂŒr alle Frauen im Kampf um den Altersklassenweltmeistertitel fiel um 08 Uhr im “Roling-Start” Verfahren im 21 Grad warmen „Weerwater-See“ in Almere. Die Wellen machten uns allen sehr zu schaffen, ich kam aber trotzdem nach 1.17 Stunden aus dem Wasser und war froh um meinen Puffer😅.


Der Wind kann in Holland ja schon ziemlich garstig sein, gerade in der 2. Radrunde und beim Lauf deutlich spĂŒrbar. Da darf man in den Gegenwindpassagen nicht zu sehr drĂŒcken, sondern muss geduldig und bei sich bleiben. Insgesamt hatten wir aber echt GlĂŒck mit dem Wetter ⛅. Die Temperaturen lagen bei angenehmen 15-20 Grad und grĂ¶ĂŸtenteils bewölkt. Nahezu perfekte Bedingungen.

Ich war alleine nach Almere angereist, was so seine Vor- und Nachteile hat. Ich wusste nur die Startnummern meiner Konkurrentinnen (Range: 1331-1341) und konnte so bei den beiden Wechseln anhand der noch bzw. schon wieder vorhandenen RÀder erkennen, wo ich ungefÀhr lag.

Beim 1. Wechsel war das noch etwas schwierig. Waren noch alle RĂ€der da? Kann das sein? “Egal Anja, schnapp das Rad und mach Dein Ding”. Und los ging der gut 5 stĂŒndige Ritt entlang des Markermeer, durch WĂ€lder und verwinkelte und vor allem sehr enge Straßen. Es waren zwei Runden a 90km zu absolvieren, die erste lief noch richtig gut (Schnitt ĂŒber 35km/h), doch in der zweiten passierte das, was jedem Langdistanzathlet mal passiert: Das große schwarze Loch kam und verschlang mich mit allem was dazu gehört und leider auch noch in der RĂŒckenwindpassage von km 120-140. Das ist echt bitter, aber es hilft nichts, da muss man durch. So gab es Rammstein Songtexte rauf und runter, SelbstgesprĂ€che und immer wieder die Erinnerung warum ich hier war: Ich will Weltmeister werden đŸ’Ș . Aufgeben tun andere..
Ich hatte mich dann nach einem Boxenstopp auch wieder richtig gut gefangen und fuhr nach nur 05.16h zurĂŒck in den Wechselzone. “Ui, nochmal ein Puffer, das könnte gut werden”.

… beim 2. Wechsel kam die 2. Luft und Übernahme der FĂŒhrung nach 16km im Marathon

Und siehe da.. Erst ein Rad da und zwar das von Johanna Halland mit der Nummer 1334. Die hatte ich doch schon mal ĂŒberholt? Sie musste wohl bei meiner “kleinen MĂ€dchen-Pause” wieder an mir vorbeigefahren sein.

Nun gut, jetzt hieß es auf meine StĂ€rke besinnen und den Laufjoker ausspielen. Es galt 6 Runden ĂĄ 7km um den Weerwater-See zu absolvieren, mit diversen Strategien: 2 zum einlaufen, 2 zum MĂ€nner einsammeln 😂 , 1 zum leiden und 1 zum genießen. Ich hatte bei der Leidensrunde auch noch die Worte meines Trainers von Brett Sutton im Kopf: Der Ironman beginnt bei km30 im Marathon. Bis hierher musst Du es erstmal schaffen”. Und ich setzte eines oben drauf:

Relativ konstant lief ich die erste HĂ€lfte in 01.40h, die zweite in 01.41, Gesamt 03.21,07. Schweizer Uhrwerk halt, das kann ich 🇹🇭 .


… und dann sauber durchgezogen đŸƒâ€â™€ïž đŸƒâ€â™€ïž

Und Johanna? Die hatte ich nach 2,5 Runden eingeholt konnte mich aber nicht wirklich darauf ausruhen, weil ich ja keine Ahnung hatte, wie schnell sie lief. Es gab allerdings von Gerd, dem Ehemann meiner “Erdinger Kollegin” Claudia Bregulla-Linke, die Info nach Runde 5, dass ich 3 km Vorsprung hĂ€tte. Das konnte ich nicht so ganz glauben, zumal die Tracker Apps sehr unzuverlĂ€ssig sind. Daher: Einfach mein Ding machen und “gnadenlos durchziehen“. Und das war auch gut so, denn am Ende trennten mich “nur” 4 Minuten von Johanna 😟 . Das hĂ€tte schief gehen können!!

Fazit / Ergebnisse

Somit kommen wir zum Gesamtergebnis:

  • 3,8km schwimmen: 01.16,54 Stunden
  • 180km Radfahren: 05.16,17
  • 42,2km Laufen: 03.21,07 (schnellster Split aller “AGies” und schneller als 5 Pro’s)
  • Wechsel: 09.11 Minuten (das ist ganz schön lang, ich verlief mich aber auch 2mal im Transitbereich und musste nochmal Pippi 😅
  • Total: 10.03,25

    Ergebnisse

Damit habe ich nicht nur meine Altersklasse gewonnen, sondern wurde unter allen Alterklassenathletinnen 6. (von 63). Die AK’s U24, 35 und 40 hĂ€tte ich auch fĂŒr mich entschieden, nur die AK50 ist durch meine Landsfrau und Überbikerin Marion Hebding unantastbar. Gratulation an Marion auf diesem Wege!!

Was fĂŒr ein Tag…
Eure #stolzwiebolle Anja đŸ„ł

Mal wieder sehr nette MÀdels kennengelernt: Sara Bergström (SWE) auf Platz 3 in 10.22,20 und Johanna Halland (NOR) auf Platz 2 in 10.07,30

Fotocredit: Der Zieleinlauf und mit den MĂ€dels privat, der Rest “Marathonfotos”


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