4.9. Vizeweltmeister Duathlon Langdistanz

Nun war er gekommen, DER Tag. Der Tag, an dem ich für die ganzen Tiefen und Höhen der letzten 18 Monate und für harte Arbeit belohnt werden sollte, oder der Tag, zu dem man dann sagte: Es passte ins Gesamtbild ebenjener Monate. Egal wie es ausgehen sollte: Danach sollte die Saison beendet und eine lange Pause von mindestens 2 Monate zur Regeneration anstehen um nächstes Jahr wieder mit voller Kraft durchzustarten.
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Der Wettkampf … Und ich
Zur Abwechslung nach 5 Jahren Triathlon hatte ich mir als Highlight die ITU Duathlon Langdistanz-Weltmeisterschaft, welche heuer zum 10. Mal in Zofingen (CH) ausgetragen wurde, ausgesucht. Insgesamt gibt es die Powerman Veranstaltung über 10km Lauf, 150km Rad und nochmal 30km Lauf seit 29 Jahren, wird auch gerne als das „Hawaii des Duathlons“ bezeichnet und gilt mit seinen 700 und 1800 Höhenmeter beim Laufen respektive Radfahren als härtestes Langdistanzrennen der Welt, „das jeder Triathlet als Charakterbildenden Maßnahme einmal gemacht haben sollte. Duathlon ist härter als Triathlon!“, um einen bekannten Coach aus dem Brett Sutton Team zu zitieren 🙂

Warum ich auch? Zum einen liegt mir, als selbsternannte Bergziege mit dem neuen Spitznamen #KleinesverrückstesMädchen, das Format, zum anderen messe ich mich gerne auf hohem Niveau mit anspruchsvollen Kurs. 🙂
Im Mehrkampfsport ist das Problem Windschattenfahren („lutschen“) aufgrund der zunehmende Teilnehmerzahl (m.E. und u.a. auch wegen der Gier der Veranstalter) zunehmend ein Problem, das nicht in den Griff zu bekommen ist (es ist außer bei bestimmten Rennen grundsätzlich verboten!). Beim Duathlon (in Zofingen) ist das wegen des benannten Profils und der damit gleichzeitig verbundenen geringeren Anzahl an Bestreitern eher nebensächlich. Das nur als erklärender Exkurs.

Das Ziel
Die vergangenen Monate seit dem Mega-Radblock im Mai/Juni trainierte ich natürlich wieder mehr Laufen, vielmehr aber auch das Koppel. Leider hatte ich durch eine doofe Verletzung beim Alpseelauf Mitte Juli (geplatzte Vene) noch ca. 5 Wochen mit teilweisen herben Schmerzen im Knöchel zu kämpfen, diese klangen dann aber pünktlich ca. 14 Tage vor dem Rennen fast vollständig ab.
Vor 2 Jahren bestritt ich in Zofingen bereits die Kurzdistanz (10-50-6km), so hatte ich einen etwaigen Vergleich, was ich zu leisten im Stande sei. Insgesamt fühlte ich mich gut vorbereitet, so dass ich für mich eine Zielzeit von knapp unter 8.5h im Visier hatte (39‘ – 5.15h – 2.30h).

Raceday
Im Anzug der Altersklassen-Nationalmannschaft der DTU starten zu dürfen ist schon was ganz besonderes und tolles; das kann und will ich nicht verleugnen. Da will man natürlich auch glänzen, vor allem aber auch, weil meine Support-Crew aus Alling mit von der Partie war (rund um den Teamchef „Mum“ 🙂 ). Dieses Quartett war zum 3. Mal im Einsatz: Sollte es unter dem Motto „alle Gute Dinge sind 3“ ein gutes Omen sein 🙂 ?

Beim Duathlon ab Sekunde 1 „all-out“: Der 10km Auftaktlauf (200HM):

Pünktlich um 8Uhr wurden wir bei frischen, aber trockenen 10C mit einem Bergstart auf die Reise geschickt: Es geht erstmal für rund 1.5km und 150HM giftig den Berg hoch, die verbleibenden 20-30 HM werden „oben“ im welligen Terrain gemacht, bevor es wieder rund 2.5km den Berg runter geht um das ganze nochmal zu absolvieren. Im Prinzip reichte es mir danach eigentlich und ich freute mich zum ersten Mal aufs Radfahren! Eigentlich ist es immer umgekehrt, aber ich war schlichtweg platt!

Beim Radfahren (150km – 1900 Höhenmeter)

Als Führende in meiner Altersklasse (AK) stieg ich aufs Velo und bereite mich mental auf den „Killer“ vor. Das ich das Zepter bald aus der Hand geben muss, war klar, die spätere Weltmeisterin Melinda Olsen aus Dänemark dominiert ihre AK seit Jahren, da kann ich mit meinem 3. Duathlon natürlich nicht mithalten. Die ersten beiden Runden verliefen prima, 10min über der Zeit, aber dann kam der „Hammer“ und ich quälte mich mit schweren Beinen über die letzten 650 Höhenmeter. Dennoch stieg ich noch wie geplant um 13.55uhr vom Rad und konnte zu dieser Zeit aber noch ganz gut bei 2 PRO-Damen mitmischen 🙂

Und nochmal 30km mit 500 Höhenmeter:

Was dann aber folgte, hatte mit „laufen“ nicht mehr so viel zu tun…. Ein 4-Runden Kurs, der für 1.5km leicht bergauf geht, dann kommt ein rund 15%-iger Stich, dann wieder für gute 2km ein Sammelsurium aus Auf- und Ab, bevor der Wendepunkt kommt, zurück ins Stadion um dann die traurige Gewissheit zu haben, dass man das Ganze NOCH 3* machen mussL  Die Originallaufstrecke musste wegen Unwetterschäden kurzfristig verändert werden, insgesamt 100HM weniger, dafür aber der benannte Stich 4 mal …

Die Strecke ist dadurch sehr Zuschauer- aber auch „Gegner“freundlich, d.h. man hat seine direkten Mitkonkurrenten gut im Blick (anhand der Startnummer). Ich wusste nach dem Rad (da ich von keiner weiteren Dame meiner AK überholt wurde), das ich auf Silberkurs war! Wie geil ist das denn? Zum ersten Mal schnupperte ich weltmeisterliche Luft 🙂 Nach der ersten Wende hatte ich knappe 4km Vorsprung auf 3. Sollte das reichen? Rund 20 Minuten, ne Menge Holz, allerdings war mir meine niederschlagende Erfahrung aus Immenstadt noch sehr präsent 🙁  Tja und so kam es, wie es kommen sollte: Ab Runde 2 deuteten sich wieder Krämpfe an und ich musste das Tempo so stark Drosseln (der Puls war im unteren easy Trainingsbereich), denn ich wusste, wenn’s einmal krampft ist einfach Schicht im Schacht. Ich wusste aber auch regelmäßig, durch die 2 Wendepunkte, dass sich mein Vorsprung nicht verringerte, so brachte ich das Ganze mit einem „Safety-Run“ voller Stolz und mit Würde als Vize-Weltmeisterin nach 8h50 zu Ende. Unnötig zu erwähnen, dass ich für den Lauf 20 Minuten länger brauchte wie geplant, ist ja so gar nicht meins 🙂 In meiner AK waren 10 am Start, davon kamen 8 ins Ziel (von 43 Frauen). Aufgeben ist keine Option!

Die Lobes- und Dankeshymnen 🙂

Großer Dank natürlich an mein unermüdliches Team an der Strecke, an Migg (Tourextreme.ch), der mich spontan mit Cola und Salztabletten versorgte, sowie an meine beste Freundin Kerstin, die nicht nur in den vergangenen Monaten sehr wichtig für mich war, sondern mich am Vorabend des Rennens bei sich zu Hause in Luzern mental richtig gut vorbereitete! Alle Komponenten unersetzlicher Bestandteil des Erfolges!

Glückwunsch an alle Finisher zu ihren Erfolgen insbesonderen meinen Teammitgliedern aus der gesamten DTU AK Mannschaft. Insgesamt haben wir 4 Gold-, 3 Silber- und 6 Bronzemedaillen mit nach Hause genommen!

Ergebnisse

 

 

Fazit

Neben einem Deutschen Meistertitel (Triathlon Sprint 2015), und je einer deutschen und europäischen Bronzemedaille (Triathlon Mitteldistanz 2015&2016) reit sich dieser Vizeweltmeistertitel ganz schön in mein bisheriges Sammelsurium ein. Damit verabschiede mich jetzt erstmal in die „Off-Season“ 🙂 2-3 Monate ohne strukturiertes Training, abschalten, auftanken, die Ursache meiner Krämpfe in den Griff bekommen, um dann nächstes Jahr, in einem ‚New chapter of live‘ nochmal durchzustarten.

Danke fürs zuhören, bis bald, Eure Anja

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