*English Version below*
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Der Umgang mit dem, was ist
Von „Wettkampfplanung 2026“ zu „möglicherweise nie wieder Laufen“ in 48 Stunden.
Das ist krass.

Wenn man ein 15-jähriges sportliches Leben von heute auf morgen infrage gestellt sieht, ohne sich darauf vorbereiten zu können, verfällt man kurzzeitig in eine Art Schockstarre.
Aber: Ich lebe. Und ich bin – im Großen und Ganzen – gesund. Das zählt!

Was ist passiert?
Nach einem formstarken Lauf in Ismaning (08.02.) als Vorbereitung auf den erneuten Weltrekordversuch traten deutliche Schmerzen im rechten Knie auf.

Es entwickelte sich eine unerwartete Dynamik, bei der das bekannte Phänomen von Kausalität und Korrelation in der Medizin eine zentrale Rolle spielt.

Die Befundlage zeigt einen strukturellen Schaden im rechten Knie. Es ist jedoch nicht eindeutig, ob genau dieser Befund die aktuellen Schmerzen verursacht oder ob konkrete Trigger das Ganze verstärkt haben.

Die Beschwerden sind in den vergangenen zwei Wochen deutlich zurückgegangen. Und ich habe mich – zum Glück – wieder gesammelt und bin wieder bei mir.

Phänomen Dekompensation
Der Körper ist ein unglaubliches Wunderwerk. Er kann lange tragen und kompensieren – bis es knallt. Und diesen Warnschuss muss man hören.

Die letzten 18 Monate waren intensiv – sportlich, beruflich, mental.

Ich habe meinen Körper darüber hinaus stark gefordert, bewusst und mit Ambition. Dafür bin ich dankbar. Grenzen zu verschieben, gehört dazu, wenn man etwas erreichen möchte.

Ich bereue nichts.
Aber wer Grenzen verschiebt, muss auch akzeptieren, wenn der Körper eine Rückmeldung gibt, die weit über das Maß hinausgeht, das man als Leistungssportler steuern kann und muss.

Qualität vor Quantität
Deshalb habe ich bewusst die Handbremse gezogen: Laufpause ohne Zeitdruck, keine Schnellschüsse. Heilung braucht Zeit. Geduld ist in diesem Fall Teil der Therapie.

Alle geplanten Rennen für diese Saison sind  abgesagt. Danke an die Veranstalter für die Kooperation und das Verständnis. Der Kalender ist leer. Der Kopf ebenso.  Das tut gut.

Ich habe zum ersten Mal komplett von allen Plänen losgelassen, bleibe geistig flexibel und prüfe in Ruhe, was möglich ist. Ich möchte auch mit 70 noch in die Berge gehen können. Dafür laufe ich lieber jetzt weniger.

Das Training läuft auf dem Rad und im Becken weiter – nach Gefühl. Dazu gezieltes Krafttraining drei Mal pro Woche. Das sind Bausteine eines gesunden Lebens. Ein fitter Allgemeinzustand ist wichtig.

Innere Einstellung
Dabei spielt das, was zwischen den Ohren passiert, eine ebenso große Rolle.

Vollständige Heilung ist kein Wunschkonzert. Aber wissenschaftlich ist gut belegt, dass Erwartung und Haltung messbaren Einfluss auf Regeneration und Anpassung haben. Das Gehirn ist kein Zuschauer – es ist Teil des Prozesses.

Stress verlangsamt Heilung. Ein stabiler innerer Zustand unterstützt sie.

Ich kann nichts herbeidenken. Aber ich kann die Bedingungen verbessern, unter denen Heilung stattfindet. Und genau darauf liegt jetzt der Fokus.

Folge der Reise – mit offenem Ausgang
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Und vielleicht liegt genau darin der übertragbare Kern: Man bekommt nicht immer die Situation, die man sich wünscht. Aber man trägt Verantwortung für die Art und Weise, wie man ihr begegnet – im Sport wie im Beruf, im Projekt wie im privaten Leben.

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Dealing with What Is
From “Race planning 2026” to “possibly never running again” within 48 hours.
That’s intense.

When a 15-year athletic journey is suddenly called into question without warning, there is a brief moment of shock.

But: I am alive. And I am – overall – healthy. That matters.

What happened?
After a strong race in Ismaning (February 8th), which served as preparation for another attempt at the 6-hour world record, significant pain developed in my right knee.

An unexpected dynamic followed, in which the well-known medical phenomenon of correlation versus causation plays a central role.

The findings show structural damage in the right knee. However, it is not yet clear whether this specific finding is the actual cause of the pain, or whether certain triggers intensified the situation.

The symptoms have decreased significantly over the past two weeks. And fortunately, I have regained clarity and composure.

The Phenomenon of Decompensation
The body is an extraordinary system. It can compensate and carry load for a long time – until it can’t. And when that warning signal comes, you need to listen.

The past 18 months have been intense – athletically, professionally and mentally.

I have pushed my body deliberately and with ambition. I am grateful for that. Expanding limits is part of striving for something meaningful.

I regret nothing.

But when you push limits, you must also accept when the body sends feedback that exceeds what even a high-performance athlete can manage or control.

Quality Over Quantity
That is why I consciously pulled the handbrake: break from running without time pressure, no rushed decisions. Healing takes time. In this case, patience is part of the therapy.

All planned races for this season have been cancelled. My thanks to the organizers for their cooperation and understanding.

The calendar is empty. So is my head. That feels good.

For the first time, I have completely let go of all plans. I remain mentally flexible and will calmly reassess what is possible. I want to be able to hike in the mountains at 70. For that reason, I am willing to run less now.

Training continues on the bike and in the pool – guided by feel. In addition, targeted strength training three times per week. These are building blocks of a healthy life. A strong general condition matters.

Inner Attitude
What happens between the ears plays an equally important role.

Complete healing is not wishful thinking. Yet research clearly shows that expectation and mindset have measurable effects on regeneration and adaptation. The brain is not a spectator – it is part of the process.

Stress slows healing. A stable inner state supports it.

I cannot think healing into existence. But I can improve the conditions under which healing takes place. That is where my focus is now.

Follow the Journey – With an Open Outcome
If you would like to follow this process more closely, feel free to subscribe HERE to my German newsletter (it can easily be translated if needed). Updates are shared there intentionally and selectively. It will be a journey with an open outcome.

And perhaps this is the transferable core: We do not always get the situation we would choose. But we are responsible for how we respond to it – in sport, in business, in projects and in private life.