04.09. Duathlon WM Zofingen

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Mein erstes Profirennen und gleich DIE Weltmeisterschaft schlechthin im Ausdauersport. Der POWERMAN Zofingen ist ein über 30-jähriges Urgestein in der Szene und gilt als eines der härtesten Rennen weltweit, das man gemacht haben muss! Duathlon ist brutal und ehrlich und fristet vermutlich daher immer noch ein Schattendasein mit geringen Teilnehmerzahlen wohingegen Triathlon ist zu einer Livestyle-Sportart zum (Material-)”posen” geworden ist. ☹️

Warum ich mich für den Start in der ELITE entschied? Es gibt mehrere Gründe, einer davon ist ganz einfach: In meiner Altersklasse war der Schwund mit nur 2 Mädels deutlich spürbar und für mich gibt es nichts schlimmeres, wie Titelhamster- bzw. Brüsterei “mangels Konkurrenz“.

Zum anderen bin ich dieses Jahr einfach (noch) besser drauf und kann läuferisch allemal mit den “Großen” mithalten. Daher wollte ich diese Erfahrung einfach genießen und mitnehmen. Zum verlieren habe ich nichts (mehr).

So einfach ist das mit einem Start im Profifeld natürlich nicht: Man muss zuerst die Aufnahme in den “Allgemeinen Testpool der Dt. Anti-Dopingagentur” beantragen, was das kleinere administrative Problem ist. Für mich kam aufgrund der Medikamenteneinnahme meiner Stoffwechselerkrankung noch einiges an Administration dazu, um eine sog. TUE (temporary use excemption) für meine Medikamente zu erwirken. Diese erhielt ich aber dann nach einigen Schriftwechseln und Arztbesuchen gerade noch rechtzeitig Anfang dieser Woche. Die erste Hürde war genommen!


Somit entspannt am Start! Und das Wetter?

“Zofingen” ist immer eine Wetterlotterie und meistens ist es im September bereits sehr kalt. Letztes Jahr (2 Wochen später) gab es bei einstelligen Temperaturen und Dauerregen einige DNF’s aufgrund Unterkühlung, vermutlich auch ein Grund warum es dieses Jahr so wenige Anmeldungen gab, obwohl der der Veranstalter den Termin wieder nach vorne gelegt hat. Unser Sommer war ja richtig prächtig und hat sich glücklicherweise bis zum heutigen Wochenende gehalten. Gestern (Samstag) hat es bis Mittag noch geregnet, aber dann lockerte es auf. SUPER! Die zweite Hürde genommen. Kalt wäre auch für mich nicht gut gewesen 😳

Show Time für Gesamt 182km mit 2550HM

Zuerst für das illustre 9-köpfige Damen-Profi-Feld (kurzfristig 2 Absagen), 2 Minuten später folgten die AK-Frauen, um 9Uhr dann das Spiel für die männliche Garde und das “offene Rennen”. Meine Konkurrentinnen: u.a. meine Landsmännin, die Titelverteidigerin Merle Brunée aus Heidelberg, sowie die amtierende Weltmeisterin auf der Mitteldistanz, die Schweizerin Melanie Maurer und natürlich die Münchnerin Dr. Kathrin Esefeld, ein sehr bekannter Name in der Tri-/Duathlonszene!

Mein Ziel: Wie immer: SPASS haben, mein Rennen machen und am Ende sehen, was dabei rauskommt. Erzwingen kann man nichts.

Die Laufstrecken sind mir von meinen Starts 2015 (Kurzdistanz) & 2017 (Vize-Weltmeister AK40) bekannt.
Der erste über 9,2km (2 Runden) und 220 Höhenmeter (!!) ist bereits sehr fordernd, aber dennoch läuft man diesen im Prinzip wie einen “Solo-10er”, was zur Folge hat, dass man beim ersten Wechsel eigentlich schon genug hat 🤪. Aber genau das ist das brutale und ehrliche am Duathlon: Jetzt folgt der harte und lange Teil am Rad. Den Lauf beendete ich als 6. hinter der starken Niederländerin Ann Schoot_Uiterkamp (mehrmals auf dem Podium), die das Rennen später aufgab.

(c) Alphafoto

Die Radstrecke (3 Runden a 48km mit je 550 Höhenmeter) hatte sich verändert und ist technisch anspruchsvoll, vor allem die Bergabpassage ab Wiliberg mit einigen Serpentinen aber auch einigen schnellen Abfahrten, die echt Spaß machen😇. Ich hatte die Vorbereitungsworte meines Trainers im Kopf und fuhr stoisch nach meinen Wattwerten. Entscheidend ist in der Zofingen der extrem strapaziöse abschließende Lauf und dafür muss man auf dem Rad viel Geduld haben!

Ich hatte eigentlich bis km 120 einen ziemlich guten Lauf, brach dann aber doch wieder irgendwie ein, aber nicht mehr so schlimm, wie schon mal geschehen. Die letzte Runde fuhr ich knapp 9 Minuten langsamer, als die ersten beiden und war irgendwie ziemlich angekäst. Vor allem auch, weil mich die Österreicherin Antonia Lucchini wieder einholte, die ich schon “hatte”. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Die Schweizerin Noemi Frieden gab das Rennen auch auf, so dass ich total überrascht als 5. Frau beim 2. Wechsel begrüßt wurde. Ach, wie geil!


Abgerechnet wird am Schluss – von 5 auf 4

Es galt 3 Runden a 9km mit jeweils 190 Höhenmeter zu absolvieren. Vom Stadion über 600 Meter mit 50 Höhenmetern den Berg hoch, wellig, wieder so ein Berg, wieder wellig, Wendepunkt, Berg runter und dann das Ganze noch 2 mal. Wer meint, gerade das hochlaufen ist anstrengend hat sich getäuscht: Nach dem Velo (wie der Schweizer so schön sagt), ist die Muskulatur so beansprucht, dass die größte Herausforderung das ablaufen ist, OHNE Krämpfe zu bekommen. Denn dann ist Schicht im Schacht. Hoch kann man zur Not gehen (was ich in Runde 3 auch tat). Zum Glück bin ich ja Berglauf erfahren und hatte ein gutes Gefühl als es losging. Hier man ein Auszug (eine Runde):


Der Lauf “über den Dächern” von Zofingen am und um den Wildpark Heitern ist sehr verwinkelt, so dass man die Konkurrenz immer ganz gut im Blick hat, ebenso “unten” beim Durchlauf am Stadion. 500 Meter nach Beginn der ersten Runde kam mir Merlee schon entgegen 😁 Da wusste ich, das irgendwo noch Antonia kreiselt. Ich habe mir keine Gedanken gemacht, fühlte mich extrem gut und plötzlich kurz vor Halbzeit in der 2. Runde war sie da und ich vorbei. Wow! Das gibt natürlich 2. Luft. Ich habe mir dass dann auch nicht mehr nehmen lassen und bin gelaufen wie ein 2. Gott. Wenn man die Splitzeiten des Podiums (Jahrgang 1988, 93 & 94) ansieht, sieht man auch, das mir die Mädels in den Runden 2 &3 nicht mehr so viel abgenommen haben: ERGEBNISSE


Fazit/Zusammenfassung

✅JEDER, der dieses Rennen zu Ende bringt ist ein Hero, weil es einfach brutal ist. Mach Zofingen und jede Triathlon Langdistanz “is a peace of cake”
✅Bei den Elite Damen kamen von 9 gemeldeten nur 6 ins Ziel, bei den Männern gaben 5 auf.

✅ Zeit Gesamt: 07.41,58 Stunden (über 1 Stunde schneller als 2017 – wobei die Radstrecke härter, der 2. Lauf aber kürzer war!)
✅ Lauf 1: 9,2km (220HM): 35,31′ – Rad: 146km (1760HM): 04:52,28 – Lauf2: 27km (580HM): 02:10,22


✅ Die schönste “Holzmedaille”, die ich je bekommen habe!
✅ Virtuelle Randnotiz: Meine AK hätte ich mit 2h Vorsprung gewonnen und sogar die komplette AK-Wertung (aller Klassen) für mich entschieden (25 Starterinnen/22 Finisher)

✅ Alter ist halt doch nur eine Zahl…

Ich bin auf alle Fälle sehr glücklich über diese Leistung. Ich hatte einen sehr netten Begleitradler dabei (vom Veranstalter gestellt und macht das Ganze etwas “einfacher”): Als ich ihm erzählte, wie alt ich bin, ist er fast vom Rad gefallen. Der Arme. Sein Kommentar: “Gott, bist Du zäh. Ja, das bin ich 😁


(c) Alphafoto – 1. Lauf

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