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Die Reise meines neuen Lieblingsprojektes, der FKTs (Fastest Known Times), geht weiter. Rennen ohne Startnummer, nur gegen sich und die Zeit. Ohne Ruhm & Glory.

Schauen, was geht.
50 werden macht Spaß.

Nach der Senda Sursilvana Anfang September war es mal wieder Zeit für einen größeren Lauf. Seither hatte ich das Lenggries Skyrace (21 km / 1.800 HM / 3:31:14 h) sowie die Runde über den Kramerspitz (16,4 km / 1.170 HM / 2:17:18 h) als Zwischenziele für mich verbuchen können.

Zwischen den anstrengenden, aber auch sehr bereichernden Vorbereitungen für meine Hospiztour und meinen Buch-Launch war die Ammerseeumrundung an einem Feiertagssonntag eine willkommene Abwechslung und als Homerun dabei etwas ganz Besonderes. Den See hatte ich bislang gefühlt 1.000-mal mit dem Rad umfahren. Zu Fuß stand die Runde schon seit Jahren auf meiner Liste. Jetzt hatte ich sogar die Möglichkeit, das Ganze als Rennen zu laufen.

46 km, weitestgehend flach mit rund 150 Höhenmetern, aber mit einem nicht zu unterschätzenden Trailstück von Breitbrunn nach Stegen über rund 5 km als „furious final“.

Mein Ziel war wie immer ambitioniert, aber definitiv im Rahmen meines Leistungsvermögens. Denn fit bin ich nach wie vor.

Erste Tempoeinheiten, darunter ein Halbmarathon an der Ruderregatta in 1:29 h (4:13 min/km), versprachen Gutes. So hatte ich mir für den Ammersee ein Zeitziel von 3:27 h gesetzt, um die bestehende Männerbestzeit in der Kategorie „unsupported“ zu unterbieten. Diese war zudem von zwei Jungs gemeinsam aufgestellt worden, was motivationstechnisch noch einmal seinen ganz eigenen Reiz hatte.

Das verlangte einen Schnitt von 4:30 min/km beziehungsweise eine Marathondurchgangszeit von 3:09:53 h. Schneller war nur Florian Neuschwander mit 2:58:10 h, der allerdings in der Kategorie „supported“ gelaufen ist und ohnehin kein Maßstab ist. 😊

Los ging es um 6:45 Uhr am Nordufer in Stegen. Für mich persönlich die beste Option, da ich diesen Ort sehr gut kenne und mir den „Zieleinlauf“ schon Wochen zuvor visualisiert hatte. Bei einem Rundkurs ist es schließlich egal, wo man startet. Gelaufen wurde gegen den Uhrzeigersinn. Eine alte Läufermarotte aus unzähligen Trainingsrunden auf der Tartanbahn.

Die Bedingungen waren fast perfekt. Rund 5 Grad, trocken und auf weiten Teilen der ersten 20 km spürbarer Rückenwind aus Nordost. Dadurch kühlte ich nicht so schnell aus, musste aber aufpassen, nicht zu schnell anzulaufen.

Wohlwissend, dass die Singletrails das heftigste Stück der Strecke sind und teilweise auch von Spaziergängern stark frequentiert werden, hatte ich mir bei einem letzten Streckencheck ausgerechnet, dass ich dort etwa drei Minuten verlieren würde.

Die ersten 40 km „Anlauf“ über Schondorf, Utting, Riederau, Dießen, Fischen, Wartaweil und Herrsching musste ich daher entsprechend mit einem Schnitt von 4:25 min/km laufen.

Bis Fischen nach rund 25 km lief alles nach Plan. Wenn ich eines kann, dann Pacing. Allerdings bekam ich dort zum ersten Mal den Wind zu spüren. Und vor allem eine leider ziemlich unterschätzte Eigenheit des „flachen Straßenmarathons“.

Ab km 35 wird es bei einem Marathon erfahrungsgemäß ohnehin schwer. Dort beginnt der Marathon eigentlich erst. Meiner war sogar noch vier Kilometer länger – und die Qualen begannen früher.

Ich hatte Muskelschmerzen in der hinteren linken Oberschenkelpartie mit teilweise leichten Krämpfen, dazu Krämpfe in den Fußsohlen, vermutlich aufgrund der nicht so oft gelaufenen Carbonschuhe. Naiv und offen zugegeben: Nur weil ich schnell und gut durch die Berge laufen kann, sollte ich solch ein Vorhaben schon auch irgendwie vorbereiten. 😉

Und zusätzlich besagte Unterschätzung des monotonen, flachen Laufens auf der Straße. Straßenmarathon ist und bleibt für mich die härteste Disziplin, die es gibt. Nur du und die Uhr. Keine Erholung durch Bergauf- und Bergabpassagen, keine landschaftliche Abwechslung wie beim Trailrunning.

Brutal hart. Brutal ehrlich.

So musste ich kurz vor Herrsching eingestehen, dass das anvisierte A-Goal mit 3:27 h nicht mehr machbar war. Nach 35 km stand die Uhr bei 2:35:33 h. Für die verbleibenden 11 km hatte ich noch knapp 55 Minuten, um mein B-Goal (sub 3:30 h) zu erreichen.

5 min/km. Das sollte drin sein. Aber der Trail kam ja noch.

Und ich war froh, dass er kam. Denn die mental anstrengende Passage über Wurzeln und Matsch lenkte mich ab, erinnerte mich aber bei jedem Fehltritt daran, dass die Krämpfe in Lauerstellung waren. Jede unglückliche Bewegung konnte das Ende des Laufes bedeuten.

Und endlich: Der Parkplatz kam wieder in Sicht. Die letzten 700 Meter noch einmal alles gegeben und die Uhr bei 3:29:40 h gestoppt.

Alter Schwede.
Sehr zufrieden.

50 werden macht Spaß.

Die Daten im Überblick

🏃‍♀️ 46 km
⏱️ 03:29:40 h
⛰️ 155 HM
⚡ 4:33 min/km
🏁 Marathondurchgangszeit ca. 3:08 h
📍 Start & Ziel: Stegen
🔗 FKT-Seite Ammerseeumrundung