12.07 Abschiedstour in der Heimat

“Und plötzlich weißt Du, es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen und dem Anfang des Zaubers zu vertrauen“

Hallo zusammen,

ich schon wieder… nur 6 Tage nach meinem Erfolg in Fürstenfeldbruck; aber jetzt ist es Zeit, die Katze aus dem Sack zu lassen:
Morgen beginnt meine persönliche Triathlon-Abschiedstour in der Heimat, beim „Elite Sprint“ in Dießen am Ammersee. “The last Dance” dann am 28.07. beim legendären Wörthsee-Triathlon 🥂😜. Ich werde es in vollen Zügen genießen, aber auch nochmal alles geben um es den “jungen Wilden” so schwer wie möglich zu machen.

Zum „Abschluss“ meine Geschichte vom Anfang bis zur Gegenwart und ein kleiner Ausblick. Danke für Eure Aufmerksamkeit😎. [Lesezeit  6 Minuten:] 

Türen schließt man um gleichzeitig andere zu öffnen

In manch Augen scheint dies – so mitten in der Saison – natürlich schnell & plötzlich. So ist es aber nicht. Die Menschen, die mich gut kennen wissen, dass meine Entscheidungen sehr analytisch und lange durchdacht sind, dann aber gnadenlos ohne großes „rum-eiern” durchgezogen werden👍.

Am Pfingstmontag, kurz nach meinem Come-Back in Bad Tölz, war es soweit: Bei einem Cappuccino mit einer guten Freundin strahlte mir – mit Blick auf den Ammersee – die Sonne ins Gesicht und hat das Tor geöffnet. Es fühlt sich einfach gut & richtig an😍.

Mut zur Veränderung

Als ich vor 6 Jahren meine gut bezahlte Karriere in der Finanzdienstleistungsbranche endgültig hinwarf und in die schockgestarrten Gesichter vieler Menschen blickte, war ich am selben Punkt: Ich hatte erreicht was ich wollte und ich musste aus diesem Hamsterrad raus. Natürlich mit einem großen entscheidenden Unterschied zur jetzigen Situation: Das Leben im Haifischbecken ist alles andere als Spaß und Geld macht nicht glücklich. DAS IST SO!!!!  

Wer auch nur schon mal ansatzweise einen Burn-Out hatte, weiß wovon ich spreche und das man sich eigentlich nie so richtig davon erholt.
Als mir 2005 ein Kollege sagte, man braucht zum „wieder ankommengenauso lange, wie man weg war habe ich gelacht. Ich war 8 Jahre im Ausland, kam im Frühjahr 2011 zurück und habe das Gefühl, das jetzt ist alles Teil einer langen Geschichte. Auch wenn ich mich schon seit 4 Jahren in meinem Häuschen, mit meinen Kätzchen puddelwohl fühle und im Job nun auch sehr gut etabliert bin. Alles braucht so seine Zeit. Auch ein Neuanfang! Gerade die allerjüngsten Jahre waren ja nochmal ziemlich holprig.

Exkurs: Wie alles begann – Zeilen zum Schmunzeln😅

Am Anfang des Scheidewegs der besagten beruflichen Karriere, im Sommer 2010, saß ich mit meiner Kollegin Heather beim Mittagessen am Chicago River und sie erzählte mir was seltsames: Sie macht einen Wettkampf, bei dem sie 12 Stunden unterwegs ist und 3,8km schwimmt, 180km mit dem Rad fährt um dann abschließend noch einen Marathon zu laufen. Ich hatte bis dato – ehrlich – noch nie von dieser mysteriösen Sportart, die man Triathlon nennt, gehört. Meine Reaktion darauf: „Und was machst Du, wenn Du aufs Klo musst“?!

Ich bereite mich zu diesem Zeitpunkt gerade mehr schlecht als Recht auf meinen ersten Marathon vor („Chicago 10.10.10“) und lief mit allen Fehlern, die ein Hobbyläufer machen kann, volle Kelle in eine Stressfraktur; der Klassiker beim Training nach dem Prinzip „Mehr = Mehr“. Nun gut, aber die ganze USA Geschichte ging ja gründlich in die Hose😥.

Weltmeisterschaft Mont Tremblant Kanada 2014

Zurück nach Deutschland, die Geburtsstunde…. 

Darauf zog ich mein Mountainbike, welches ich über London und die Schweiz nach USA schleppte, hervor, pendelte am Lake Michigan entlang und fand das irgendwie auch eine tolle Sache. Über einen 3-monatigen Zwischenstopp in Australien landete der „letzte Flieger“ im Frühjahr 2011 in München und schon sehr bald musste ich eines dieser tollen Rennräder haben. Ich wollte auch „hipp“ sein und fühlte mich nach meiner ersten Fahrt von Alling nach Starnberg (auf der Staatstrasse!) wie der Hero! Natürlich nur bis zum Ortsschild, den Hanfelder „Berg“ habe ich mir nicht angetan. Aber das könnte die Geburtsstunde des Triathlons gewesen sein.

Im Winter2011/12 machte ich einen Kraulkurs und im März 2012 hatte ich die Idee auch mal so einen Dreikampf zu bestreiten. So bewegte ich im Juli beim Karlsfelder Triathlon zum ersten Mal an die Startlinie, wurde 9. meiner Altersklasse (eine der wenigen Wettkämpfe ohne Podium) und dann ging alles plötzlich sehr, sehr schnell:

… und der Beginn der  “semi-professionellen” Jahre…

2013 stand ich dann unter professioneller Anleitung und kam bei den ersten beiden Mitteldistanzen gleich auf das Podium, im Frühjahr 2014 beim „70.3 Alcudia“ auf Mallorca (s. Foto) dann auch gleich ein WM-Ticket gesichert. Zwar nur 5.te der AK mit einem Nachrücker-Slot (normalerweise 1-2 „reguläre“ Slots), aber 9 Monate nach Start meiner „Karriere“ schon mal ganz zufriedenstellend. Zu dieser Zeit, man bescheinigte mir Talent, dachte ich auch letztmalig über eine Profikarriere nach (mein Kindheitstraum), bin aber froh, dies – mit 36 Jahren – nicht getan zu haben. Ich hätte 2-3 Jahre früher beginnen müssen und mehr als C-Klassen-Niveau wäre mit viel zu viel Aufwand nicht bei rumgekommen und so entschied ich mich, eine Laufbahn als semi-professionelle AK-Athletin anzustreben und meinen Traum zu leben.

Mallorca 2014 – 1. WM Quali

… in “Blau” auf die Langdistanz 🍺

oder jetzt auch in “Pink Grapefruit” oder Zitrone…🍋🍋

Gesamtsieg Frühjahreslauf Olching 2018

So wurde ich auch 2016 in das Erdinger Alkoholfrei Regio Team aufgenommen und danke auch hier nochmal an die tolle Unterstützung. In diesem gesundheitlich sehr durchwachsendem Jahr hatte ich mein Langdistanzdebüt in einer meiner Wahl-heimaten (Zürich) und konnte mit einem 4. Platz (2‘ Abstand auf Platz 3) glänzen. 2017-dato waren nicht weniger aufregend!

Ich habe immer hart gearbeitet, weil das schon immer mein Anspruch an mich selbst war: „Wer glaubt gut zu sein, hat aufgehört besser zu werden“ (Sokrates).

Ein genialer Lebensabschnit

Mir haben die letzten, konsistent erfolgreichen, Jahre sehr, sehr, sehr viel Spaß bereitet, habe schöne Titel gesammelt, tolle Siege gefeiert und bin an einem Punkt, wo es mir zunehmend schwer fällt, mich für neue Ziele zu begeistern. Vor allem aber auch, weil das Leben noch so viel andere wundervolle Dinge bereit hält, die ich vielleicht noch gar nicht kenne und die mit diesem zeitraubenden & ambitionierten Wettkampfsport nicht in Einklang stehen. Das was ich wollte, habe ich bekommen!

Hinzukommt, das ich auch weit über den Punkt hinaus bin, über Sport & Erfolge Bestätigung zu suchen. Über die Entwicklung des Triathlons und das Politische hatte ich mich ja kürzlich schon mal geäußert  (am Ende) und für das alles und für Triathlon nur als „Spaß“ ist mir schlichtweg meine Lebenszeit, aber auch das Geld zu schade. 

Beruflich & privat habe ich aus eigener Kraft so viel erreicht, das reicht noch für 2-3 andere Leben. Ich vermisse rein gar nichts und ich bereue erst recht nichts. Was für ein geileres Gefühl kann man mit 42 Jahren haben???

Ironman Zürich 2016
Ironman Zürich 2016 – Langdistanzdebüt

Die schönsten Momente – etwas Melancholie muss sein😎 

2012-2019 – 35 Mehrkämpfe davon:
6 Gesamtsiege
28 Podiumsplätze (Altersklasse)
1 DNF („Did not finish“ – Rennabbruch)
2 WM-Qualifikationen(Ironman 70.3) von 2 Versuchen und… :

  • Vizeweltmeister Duathlon Langdistanz 2017 (ITU)
  • 3. Platz Europameisterschaft Triathlon Mitteldistanz 2016 (ETU)
  • 3. Platz Europameisterschaft Triathlon Mitteldistanz 2015 (Ironman)
  • Deutsche Meisterin Duathlon Kurzdistanz 2018 (DTU)
  • Deutsche Meisterin Triathlon Sprintdistanz 2015 (DTU)
  • Bayerische Meisterin Triathlon Mitteldistanz 2018 (BTV – Platz 3 Gesamt)
  • 2*Top 5 bei den Europameisterschaften über die Kurz- und Sprintdistanz 2015 (ETU) 

Ich bin extrem zufrieden. Die Lauferfolge lasse ich erstmal außen vor 😜 Die komplette Übersicht findet ihr hier, da gibt es keine Geheimnisse!!

Gesamtsieg Bad Tölz Triathlon 2015

Anja läuft – zurück zum Anfang?

Natürlich bringt eine Veränderung, die bis dato ein Leben dominiert, auch Risiko, aber ohne dessen „no fun“ 🙄🤗 Man muss Komfortzonen verlassen können und bislang klappte immer alles so, wie ich es wollte!!

Seit knapp 3 Jahren habe ich einen läuferischen Traum den ich nun mit (noch mehr) Fokus verfolge werdemal sehen was dabei dann rum kommt und egal wann. Hierbei geht es weniger um Wettkämpfe, Titel und Erfolge, als rein der Lauf gegen die Zeit. „If you dream it, you can do it.  🍀

Somit werde ich aus Sicht vieler nach wie vor „wie eine Irre“ durch die Gegend „fetzten“🏃‍♀️. Sport war schon immer meine Leidenschaft, spätestens seit ich vor rund 36 Jahren zum ersten Mal beim TSV Alling die Handballschuhe schnürte!  Ebenjener Verein feierte vor kurzem sein 90-jähriges Jubiläum. Herzlichen Glückwunsch! 

Großer Dank soweit an alle, die immer für mich da waren und sind. Erfolge jeglicher Art sind immer das Ergebnis einer Arbeit im Team.

Die Konzentration liegt nun mehr auf Training und weniger auf Wettkämpfen, ich werde aber hin und wieder hier berichten und ihr dürft gerne vorbeigucken. 
 
Sonnige Grüße, Eure Anja  😍😍😍

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